Wasserkraft historisch am Beispiel der Erft

...Das Erftgebiet zählt zu einer der ganz alten Mühlenlandschaften Deutschlands. Ob aber in der Römerzeit hier schon Mühlen mit Wasserkraft betrieben wurden, ist bisher nicht eindeutig nachweisbar. Die Anfänge des Mühlenwesens lassen sich aber schon für das frühe Mittelalter - mehrere Jahrhunderte vor den meisten Flusssystemen in Deutschland nachweisen.

 

Die Mühle von Bad Münstereifel wird erstmals 1112 erwähnt. Es handelt sich also um einen der frühsten Standorte in der Region... Am Oberlauf der Erft waren die aus ihr abgeleiteten Mühlenkanäle („Mühlenbäche" genannt) mit ein bis zwei Mühlen besetzt. Unterhalb des Durchbruchs durch den Billiger Wald wird die Erft in den folgenden zwei Laufabschnitten auf ca. 34 km Länge jeweils einseitig von „Mühlenbächen" gesäumt, die jeweils mit einer Vielzahl von Mühlen besetzt waren. Herausragend ist hier der „Kuchenheimer Erftmühlenbach" bei Euskirchen, der bei einer Lauflänge von (heute) 11,5 km mit 24 Mühlen besetzt war. Eine "außerhalb der Mittelgebirge einzigartige Mühlengasse"! ...

 

Die historischen Quellen verweisen auf einen ausgedehnten Bestand an Fischen und Krebsen in der Erft bis in das 19. Jahrhundert hinein. Dies wurde durch Segmentierung des Flussverlaufs durch die zahlreichen Mühlenwehre und anderen Querbauwerke nicht beeinträchtigt.

Im Gegenteil galt die Fischerei Jahrhunderte lang als einträgliche Erwerbsquelle.

Die große Zahl der Jahrhunderte lang bestehenden Querbauwerke in der Erft hat dem Fischbestand allem Anschein nach keinen Abbruch getan. Im Gegenteil: das Nebeneinander von Tiefwasser im aufgestauten Oberwasser der Mühlen und sauerstoffangereichertem Wasser im Unterwasser der Mühlen dürften der Biodiversität bezüglich der Fischarten förderlich gewesen sein...

 

Kurzer Auszug aus " Das Erft Memorandum"

Dr. Ralf Kreiner-Historiker Brander Str. 5-52080 Aachen